Expedition HappinessExpedition Happiness

Text: Selima Taibi
Fotos: Felix Starck & Selima Taibi

20. April 2017

„ROUTINE IST DER FEIND VON FORTSCHRITT“ - STIMMT‘S?

Felix und ich lernten uns kennen, als er ein Jahr lang mit dem Fahrrad um die Welt fuhr und ich ihn einige Wochen in Neuseeland begleitet habe. Der Film über seine Reise „Mit dem Fahrrad um die Welt“ war in den letzten Jahren der erfolgreichste Dokumentarfilm in Deutschland. Während er Filme macht, bin ich Sänger-Songwriter. Ich habe neben der Veröffentlichung meines Debütalbums den Soundtrack geschrieben.

Wir lebten gerade in Berlin mit unserem Berner Sennenhund, als uns die Idee für unser neues Projekt „Expedition Happiness“ kam. Wieder zu Hause von unserer großen Reise, ging uns die kreative, laute und schmutzige Stadt auf die Nerven. Es schien uns an nichts zu fehlen – Liebe, Erfolg, Geld, eine tolle Dachwohnung – aber irgendwie waren wir nicht glücklich. Da fragten wir uns: Warum Berlin? Warum Deutschland? Und warum schon so früh sesshaft werden?

Als wir online einen alten amerikanischen Schulbus entdeckten, war die Entscheidung schon gefallen. Wir würden ein winziges Haus auf Rädern bauen und durch Nordamerika reisen. Nach nur vier Wochen saßen wir im Flugzeug nach USA mit viel Kamera-Ausrüstung, um alles dokumentieren zu können. Bevor wir jedoch unseren Roadtrip beginnen konnten, mussten wir aus einem über 12 m langen Bus ein Wohnmobil machen. Innerhalb von drei Monaten nahmen wir die Sitze heraus und bauten Möbel.

Wir installierten sogar Solartechnik, Stromversorgung und Sanitäranlagen alles selbst und verlegten die Fliesen in der Dusche. Es ist jedoch viel schief gelaufen, weil keiner von uns eine Ahnung hatte. Die harte Arbeit war anstrengend und wir mussten viele Rückschläge hinnehmen, wie etwa ein Riesenloch im Boden oder ein Leck in der Decke. Am Ende hat sich jedoch alles gelohnt, weil unsere Wohnung auf Rädern viel mehr war als ein Wohnmobil. Es war unser Zuhause.

Zusammen mit unserem Hund Rudi brachen wir zu unserem bisher größten Abenteuer auf. Wir durchquerten Kanada und fuhren von Alaska nach Mexiko. Wir sahen Wölfe, Elche und Grizzlybären nur wenige Meter von unserem Bus entfernt. Wir reisten zu Gletschern, durchquerten Wüsten und den Dschungel. Dann musste Rudi operiert werden und konnte in den USA zunächst kein Visum bekommen. Wir wachten vor dem höchsten Berg Nordamerikas auf und übernachteten am tiefsten Punkt mit 86 Metern unter dem Meeresspiegel.

Die ganze Reise war wie eine Art Achterbahnfahrt und ziemlich überwältigend, jedoch brachte die Natur und unser Zusammensein alles wieder ins Gleichgewicht. Weil ich meine Gitarre und mein Klavier mit dabei hatte, konnte ich Lieder über die Reise schreiben und die Inspiration nutzen, solange sie ganz frisch war. Mit Solarmodulen, einer Komposttoilette und Wassertanks waren wir für alles gerüstet. Wir mussten nicht auf Campingplätzen bleiben und konnten uns die schönsten Plätze mitten in der Wildnis aussuchen. Einer unserer Lieblingsmomente war, meinen frisch gebackenen Schokoladenkuchen in der Einsamkeit der Rocky Mountains zu essen. Was für eine Kombination von zu Hause und gleichzeitig weit weg zu sein!

Am Ende mussten wir allerdings feststellen, dass man sein Zuhause nur begrenzt mitnehmen kann. Wir hatten Glück, dass wir unterwegs erstaunliche Menschen kennenlernten – insbesondere Mexiko war eines der gastfreundlichsten Länder, in denen wir jemals waren. Fast jeden Tag wurden wir von Familien in ihre Häuser eingeladen. Aber sie waren nicht unsere Familien und Freunde, die wir nach fast einem Jahr im Ausland zu vermissen anfingen. Jeden Morgen an einem anderen Ort aufzuwachen und jeden Tag zu fahren wurde immer mehr zur Belastung. Wir waren bereit, nach Hause zu gehen. Zum gleichen Bäcker jeden Morgen zu gehen und sesshaft zu werden hörte sich auf einmal gar nicht so schlecht an. Unsere Reise und unsere Suche nach dem Glück endete nicht an einem exotischen Ort am anderen Ende der Welt, sondern am Esstisch in Deutschland – mit unseren Familien an Weihnachten.

Der Film über unsere Reise wird im Mai in die deutschen Kinos kommen – gefolgt von der internationalen Veröffentlichung gegen Ende des Jahres. Er wurde vollkommen in eigener Regie produziert und bietet einen ungefilterten Einblick in unsere Erlebnisse, kombiniert mit atemberaubenden Landschaften und einem sentimentalen Soundtrack, der unterwegs entstand.

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„WIR REISTEN ZU GLETSCHERN, DURCHQUERTEN WÜSTEN UND DEN DSCHUNGEL.“

Der Reiz der offenen Straße ist stets da.

Nordamerika führte uns enger zusammen.

Unsere Küche vereinte Elemente aus der Mitte des Jahrhunderts mit rustikaler Atmosphäre.