PLASTIKFREIER JULI: WIE ICH ES GEMACHT HABEPLASTIKFREIER JULI: WIE ICH ES GEMACHT HABE

Text & Fotos: Tom Powell

2. August 2018

Tom Powell ist der Hausfotograf von icebreaker. Er lebt und arbeitet in Auckland, Neuseeland. Letzten Juli ging er mit seiner Abneigung gegen Plastiktüten einen Schritt weiter und schloss sich der Initiative plastikfreier Juli an. Er dokumentierte die Höhen und Tiefen der Herausforderung in einem Blog, der sowohl reizend visuell (natürlich) als auch ein wenig beunruhigend ist. Im Interview mit uns spricht er über einen Monat mit weniger Plastik.

Was bedeutete es für dich, einen Monat plastikfrei zu leben?
Mir ging es darum, weniger zu belasten und mich nicht auf das Recycling als Lösung zu verlassen. Ich wollte sehen, wie viel Plastik ich verbrauchte und wie ich meine täglichen Lebensgewohnheiten verbessern konnte. Vor allem wollte ich Einwegplastik vermeiden – Dinge wie Plastiktüten, Strohhalme, Müllbeutel, Lebensmittelverpackungen, Dosen (sie haben eine Plastikbeschichtung). Plastik erfüllt einen Zweck und scheint manchmal die einzige Option zu sein. Meine Kamera zum Beispiel besteht hauptsächlich aus Plastik und ich konnte sie keinesfalls für einen Monat niederlegen.

Was waren die Höhen und Tiefen der Herausforderung?
Am schönsten fand ich die Bereitschaft der Menschen, mir mit meinen Sonderwünschen behilflich zu sein. Eine Serviererin ging sogar so weit, dass sie meinen Falafel-Wrap mit dem Löffel rollte, um Plastikhandschuhe zu vermeiden, und sie war gerne bereit, das Spiel mitzuspielen. Es hat mir auch Freude gemacht, den Plastikkonsum meiner Mitmenschen zu beeinflussen – selbst wenn es nur ein kleines Ding ist, ist es dennoch ein Ding weniger, das im Ozean endet. Für manche Sachen konnte ich jedoch keine Alternativen finden, wie beispielsweise Arzneimittel. Noch kann ich keinen Weg erkennen, wie ein Leben ganz ohne Einwegplastik möglich ist, und das stimmt mich traurig, aber ich bin zuversichtlich, dass sich das ändern wird.

Du hast deine Weniger-Plastik-Mission global gemacht, als du in die USA gereist bist. Was waren die Gefahrenzonen auf Reisen? Wann wurde dein Vorsatz auf die Probe gestellt?
Die erste und größte Herausforderung war der Langstreckenflug. Meine Güte, du glaubst nicht, wie viel Müll in Flugzeugen anfällt. Zwar war ich darauf gefasst, jedoch hat man durch die Initiative ein geschärftes Bewusstsein für das ganze Einwegplastik um einen herum: um Decken und Kopfhörer zu verpacken oder beim Essen- und Getränkeservice. Es war eine schmerzhafte Erfahrung – ich konnte von dem, was sie zur Verfügung stellten, nichts verwenden, und was noch viel schlimmer war, ich musste zusehen, wie alles in der Mülltonne verschwand.

Ponsonby vs Portland: wie schnitt eine der nachhaltigsten Städte der USA im Vergleich zu deiner Heimatstadt hinsichtlich plastikfrei ab?
Ich habe in Portland genauso viel Einwegplastik gesehen, jedoch scheinen sie in Bezug auf Alternativen und Recycling-Optionen ein paar Jahre voraus zu sein. Die Menschen in Portland schienen sich über das Problem bewusst zu sein und sie störten sich nicht daran, wenn ich meine eigenen Behälter für Takeaway-Essen mitbrachte. Außerdem hatten sie ein besseres Verständnis über die Tücken des Recyclings – dass es nicht damit getan ist, einfach alles ins Recycling oder in die Biotonne zu werfen, und dass sich das Problem dadurch sogar verschärft.

Du sprichst ganz offen über deine Misserfolge. Was waren die schlimmsten Sünden?
Bislang habe ich noch keine plastikfreie Zahnpasta gefunden. Ich habe mir schon überlegt, meine eigene herzustellen, jedoch könnte meine Zahngesundheit darunter leiden und außerdem sollen die Veränderungen, die ich vornehme, tragbar sein. Ich bin während der Initiative gereist, so dass ich oft auswärts gegessen habe, und ich bin mir sicher, dass in der Wertschöpfungskette meiner Speisen Plastik verwendet wurde, selbst wenn ich direkt keines benutzt habe. Mich hat es bei den Plastiketiketten auf Gläsern erwischt. Zwar bin ich nicht oft gescheitert, jedoch hatte ich jedes Mal dieses tieferliegende Schuldgefühl.

Wie haben die Menschen in deinem Umfeld auf dein Projekt reagiert?
Sie haben alle ihre volle Unterstützung gezeigt. Etwa wählten meine Freunde plastikfreie Alternativen als wir zum Abendessen ausgingen. Oder kochten sie für mich auf eine Art, die ohne Plastik auskam. Ich glaube wir sind uns alle darüber bewusst, wie groß das Problem ist, und wie schnell es eskaliert.

Wie sieht die Zukunft für einen plastikfreien Tom aus? Noch einen Monat? Noch ein Jahr?
In dem Monat wollte ich hauptsächlich herausfinden, ob ich meinen Verbrauch an Einwegplastik reduzieren kann. Da ich nun weiß, dass es möglich ist, kann ich mir nicht mehr vorstellen, von den Dingen, die ich früher benutzt habe, jemals wieder Gebrauch zu machen. Ich habe schon immer Plastiktüten und Plastikdeckel auf Kaffeebechern vermieden, und doch ist hin und wieder einer reingerutscht. Das würde mir jetzt nicht mehr passieren. Wenn ich mir jetzt mein Essen mit meinen eigenen Behältern hole, komme ich mir nicht mehr komisch vor. Während der Initiative ist mir bewusst geworden, dass es nicht nur um Plastik geht, sondern um Müll allgemein. Wenn Plastik unsere traumhaften Strände verschmutzt, nimmt man dies sofort wahr. Jedoch wird bei der Herstellung und beim Recycling von Metall und Papier auch Energie gebraucht. Um diesen weiteren ökologischen Zusammenhängen gerecht zu werden, müssen wir uns mit dem gesamten Abfallproblem auseinandersetzen.

Welche Tipps hast du für andere, die Einwegplastik vermeiden möchten?
Einfach vorausdenken. Einwegplastik ist reine Bequemlichkeit. Wir können in unserem Alltag viel Plastik einsparen, wenn wir im Voraus bedenken, wann und wo es vorkommt und wie es vermieden werden kann. Dinge wie eine wiederverwendbare Tasche, Wasserflasche, Essensbehälter und Tasse stets bei sich zu haben geht ganz einfach. Schon durch diese kleinen Veränderungen lässt sich viel Abfall vermeiden. Saisonale, frische und lokale Lebensmittel sparen Verpackung und Lebensmittelmeilen, und sind zudem gesünder.

„DIE ERSTE UND GRÖSSTE HERAUSFORDERUNG WAR DER LANGSTRECKENFLUG. MEINE GÜTE, DU GLAUBST NICHT, WIE VIEL MÜLL IN FLUGZEUGEN ANFÄLLT.“

Falls ich nichts finde, das nicht in Plastik verpackt ist. In meiner Kameratasche lässt sich mein Glas sicher verstauen.

Falls ich nichts finde, das nicht in Plastik verpackt ist. In meiner Kameratasche lässt sich mein Glas sicher verstauen.

Am schwierigsten war es bisher, einen Ersatz für Zahnpasta zu finden.

Mein erstes großes Scheitern. Pass auf, was du bestellst, insbesondere, wenn jemand anderes serviert.