HOMEWARD BOUND: WEIBLICHE FÜHRUNGSKRÄFTE IN DER ANTARKTISHOMEWARD BOUND: WEIBLICHE FÜHRUNGSKRÄFTE IN DER ANTARKTIS

Text: Marie Knowles
Fotos: Steph Gardner

21. Februar 2019

Wir brauchen Frauen, die im Bereich Klimawandel für unser Denken und Handeln wegweisend sind. Das ist die Prämisse hinter Homeward Bound, einem Programm, das zum Ziel hat, 1.000 Frauen zu Führungskräften in entscheidenden Umweltfragen zu machen. Die transformative Erfahrung? Eine gemeinsame Reise in die Antarktis. Meeresbiologin Steph Gardner spricht über ihren Weg zu einer Führungsrolle im Bereich Klimawandel.

Wie bist du dem Programm beigetreten?
Ich wurde auf Homeward Bound aufmerksam, als ein Freund von mir teilnahm. Nachdem ich die Website zwei Stunden lang recherchierte, wusste ich, dass ich Teil davon werden wollte. Das Programm richtet sich an Frauen in MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). In meiner Bewerbung musste ich darlegen, wie ich zu der allgemeinen Vision von Homeward Bound beitragen würde.

Wie hast du für die Reise nach Antarktika gepackt und was würdest du empfehlen?
Ich bin viel auf Geschäftsreise, jedoch in der Regel zu tropischen Reisezielen. Es war meine erste Reise in zehn Jahren, bei der Tauchmaske und Schnorchel im Gepäck fehlten. Für ein kaltes Klima zu packen erforderte mehr Planung und Checklisten. Mir wurde geraten, meine Kleidung zu schichten. Infolgedessen packte ich diverse Merinoprodukte von icebreaker ein, darunter Socken, Jogginghosen, Thermounterwäsche und Hoodies, und sie waren alle außergewöhnlich. Sie trugen sich sehr gut, trockneten schnell, dehnten sich nicht aus der Form und hielten mich warm und trocken.

Wie war es, auf einem Schiff in der Antarktis mit 79 anderen Frauen zu sein?
Die Atmosphäre an Bord werde ich niemals vergessen. Es war eine äußerst unterstützende, sichere und vertrauensvolle Gruppe. Das Zugehörigkeitsgefühl und der gegenseitige Respekt waren unglaublich, insbesondere angesichts der Vielfalt der Frauen – 28 verschiedene Länder, eine Altersspanne zwischen 20 und 60 Jahren sowie verschiedene private und berufliche Situationen. Die Antarktis bot uns eine einmalige Gelegenheit, uns ohne Ablenkung (darunter Handys und Internet) zu verbinden. Wir hatten mehr Zeit, uns kennenzulernen, was es uns ermöglichte, tiefer nachzuhaken und starke Verbindungen zu bilden. Mir wurde bewusst, wie wichtig es ist, authentische und langfristige Beziehungen aufzubauen.

Wie war das Treffen mit Christiana Figueres, der früheren UN-Klimabeauftragten, die das 2015-Übereinkommen von Paris leitete?
Christiana Figueres ist eines meiner Vorbilder. Als ich hörte, dass sie mit auf dem Schiff dabei ist, konnte ich es nicht glauben. Christiana war Mitglied des Führungsteams und sehr großzügig mit ihrer Zeit. Von ihr lernte ich, wie wichtig es ist, sich um sich selbst zu kümmern – Selbstfürsorge, der eigene innere Frieden, sowie geistige und körperliche Gesundheit. Wenn wir uns selbst und unsere Werte kennen und verstehen, können wir effektivere Führungskräfte sein. Als Frauen sorgen wir uns im Allgemeinen zuerst um andere, und zwar in den meisten, oder gar in allen Aspekten unseres Lebens, jedoch müssen wir uns selbst mit Güte, Mitgefühl und Respekt behandeln.

Die Botschaft der Kampagne um Homeward Bound ist, dass Mutter Natur ihre Töchter braucht. Was bedeutet das für dich?
Als Meeresbiologin war es für mich niederschmetternd, das Ausbleichen der Korallenkolonien durch die Meereserwärmung an mir bekannten Stätten vorzufinden. Es ist mir unheimlich wichtig, meine Forschung, mein Wissen und meine Stimme für die Umwelt einzusetzen, weil sie es nicht alleine kann. Mutter Natur sendet uns eine starke Botschaft in Form von Bränden, Überschwemmungen, Dürren und dem Aussterben von Lebewesen – ein Zeichen, die Art und Weise, wie wir uns um unseren Planeten kümmern, zu überdenken. Durch Homeward Bound müssen wir unseren kollektiven Einfluss nutzen, um Nachhaltigkeit in unserem Leben und unserer Führungsarbeit voranzutreiben. Am Ende des 10-jährigen Programms werden 1.000 Frauen stehen, vereint durch das Homeward-Bound-Netzwerk und gewillt, alles in ihrer Macht stehende für die Umwelt zu tun, mit der zahlenmäßigen Stärke, die Menschen aufblicken lässt.

Was hast du von Homeward Bound gelernt?
Ich habe Vertrauen in meine Führungsfähigkeit bekommen und konnte das auch bei anderen Teilnehmerinnen beobachten. Eines der Instrumente, die wir im Verlauf des Jahres einsetzten, war Life Styles Inventory (LSI). Es dient der Bewertung, wie wir uns als Führungskraft sehen. Mit der Hilfe eines Coachs identifizierten wir unsere Stärken, Chancen und Barrieren in unserer Führungsarbeit. Die Leidenschaft, Antriebskraft und Begeisterung, die wir neben unseren Führungsfähigkeiten entwickelten, haben mir neue Hoffnung gegeben; ich sehe den neuen Ansätzen meiner Führungskolleginnen für ein neues Umweltbewusstsein erwartungsvoll entgegen.

Irgendwelche lebensverändernden Erfahrungen während du in der Antarktis warst?
Ja, die gesamte Reise war lebensverändernd. Auf eine Weise, wie ich es nicht erwartet hatte; es war eine unglaubliche Überraschung und ein Geschenk. Wie beispielsweise das Erlebnis vollkommener Stille. Wir waren auf Danco Island, wo wir einen 200 Meter hohen Berg in knietiefem Schnee hochwanderten. Jeder hatte genügend Platz um sich herum, um die 360-Grad-Aussichten auf die antarktische Landschaft um und unter uns zu genießen. Der Klang vollkommener Stille war atemberaubend. Die Antarktis ist einer der wenigen Orte auf der Welt, an denen dies möglich ist. Du konntest deinen eigenen Herzschlag hören. Zwischendurch konnten wir Buckelwale atmen hören. Plötzlich wurden wir von dem lauten Knall eines auseinanderbrechenden Gletschers aufgerüttelt, dessen Echo durch die gesamte Bucht hallte.

Welche einheimischen Tiere hast du gesehen?
Ich sah erstmals einen Orca – ich wollte schon immer einen sehen. Während sich unser Schiff vorsichtig annäherte, konnten wir etwa 20 Orca sehen. Drei weibliche Tiere setzten sich von der Herde ab und kamen dicht an unser Schiff heran, wohl um uns auszuspähen, bevor sie wieder zu ihrer schlafenden Herde zurückkehrten, zufriedengestellt, dass unsere Präsenz keine Bedrohung darstellte. Es war unglaublich! Außerdem sahen wir Esels-, Adélie- und Kehlstreifpinguine, zahlreiche Buckelwale, Königsfische, Weddell-Robben und Seeleoparden, Sturmvögel sowie den großartigen Albatros. Es hat Spaß gemacht, das Verhalten der Pinguine in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten und es mit den Führungsfähigkeiten, die wir entwickelten, zu vergleichen. Zum Beispiel wenn du hinfällst – stehe einfach wieder auf und gehe weiter. Manche Pinguine gingen ganz vorsichtig ins Wasser, und manche tauchten einfach ein. Sie folgten einander treu in ihren Fußstapfen und bestehen rein durch ihre zahlenmäßige Stärke.

Welche Ziele hast du dir seit der Teilnahme am Programm gesteckt?
Mein Ziel für mich selbst ist, auf Selbstfürsorge und Selbstbewusstsein zu fokussieren. Für andere ist mein Ziel, sie zu befähigen und zu inspirieren, Absicht in Aktion umzusetzen und die in der Mehrheit liegende Kraft zu nutzen, um Wandel zu erzeugen. Für die Homeward Bound-Gemeinschaft möchte ich unsere Sichtbarkeit weiter verbessern und unsere kollektive Stimme nutzen, um die Zahl der Frauen in einflussreichen Positionen zu steigern, während wir auf eine nachhaltigere Zukunft hinarbeiten.

Was treibt dich in deiner Karriere an?
Unsere natürliche Welt treibt mich an. Unsere Ozeane und Meeresumgebungen inspirieren mich. Ich wünsche mir für zukünftige Generationen, dass sie wie ich das Privileg haben, so viele wunderbare Ökosysteme zu erleben. Ich möchte, dass die Menschen ihre Schönheit und ihren Wert erkennen, so wie ich es tue, dass sie jedoch gleichzeitig verstehen, wie verletzlich diese Ökosysteme sind.

Dies ist entscheidend, um Menschen dazu zu motivieren, als Kollektiv zu agieren und ihre Stimme für die Umwelt zu nutzen.Was bedeutet Natur für dich?
Natur bedeutet für mich Ehrfurcht und Freiheit, die grundierend ist. Ich liebe den Nervenkitzel von Abenteuern und der Erkundung neuer Umgebungen. Die Natur nimmt uns immer mit offenen Armen auf und wertet nicht. Ich weiß die Natur sehr zu schätzen. Naturerlebnisse helfen uns, die Verbindung zur Erde zu schaffen und alles zu tun, um sie zu schützen.

DIE LEIDENSCHAFT, ANTRIEBSKRAFT UND BEGEISTERUNG, DIE WIR NEBEN UNSEREN FÜHRUNGSFÄHIGKEITEN ENTWICKELTEN, HABEN MIR NEUE HOFFNUNG GEGEBEN; ICH SEHE DEN NEUEN ANSÄTZEN MEINER FÜHRUNGSKOLLEGINNEN FÜR EIN NEUES UMWELTBEWUSSTSEIN ERWARTUNGSVOLL ENTGEGEN.

Zum ersten Mal auf dem Festland in der Antarktis, an der Brown Station.

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