Plastikfreier Juli: Rebecca Prince-RuizPlastikfreier Juli: Rebecca Prince-Ruiz

Text: icebreaker
Fotos: Plastic Free July

19. Juli 2019

Von Grassroots-Kampagnen bis zu globalen Paradigmenwechsel: der plastikfreie Juli hat mittlerweile 120 Millionen Menschen in 170 Ländern erreicht. Im Vorfeld der diesjährigen Veranstaltung unterhielten wir uns mit der Gründerin und Geschäftsführerin Rebecca Prince-Ruiz über ihre Motivation, eine Welt ohne Plastikmüll zu schaffen.

Was bewegt dich dazu, Plastikmüll zu reduzieren?
Ich dachte immer, dass die Verwendung von Plastik in Ordnung ist, solange es das Recycling-Symbol hat. Als ich aber ein Recyclingcenter besuchte und die Menge an Müll sah, die wir produzieren, und den energieintensiven Prozess, der erforderlich ist, um ihn zu verarbeiten, wurde mir klar, dass es am allerbesten ist, weniger Plastik zu verwenden. Ich möchte meine Erkenntnisse über unser Müllsystem unbedingt weiterverbreiten, weil ich davon überzeugt bin, dass wir durch Recycling das Problem nicht loswerden. Wir müssen den Einsatz dieser Materialien, die mit einer unendlichen Lebensdauer behaftet sind, grundsätzlich und radikal ändern.

Du sprichst über die unverdauliche Wahrheit. Was ist das?
Die unverdauliche Wahrheit ist, dass jedes Stück Plastik, das wir jemals verwendet haben, immer noch irgendwo im Umlauf ist. Man hört alle möglichen Statistiken, wie etwa „Es dauert 400 Jahre, bis sich diese Verpackung abbaut“, aber Tatsache ist, dass sie sich überhaupt nicht abbaut. Sie zersetzt sich lediglich in immer kleinere Teilchen. Das soll nicht mein Nachlass auf dieser Erde werden. Ich möchte nicht aufgrund meines Mülls und dessen Folgen in Erinnerung bleiben. Dinge, die für die Kinder meiner Kinder und für viele Generationen danach noch vorhanden sein werden, möchte ich erst gar nicht mehr verwenden. Zwar lebe ich nicht vollkommen plastikfrei, ich bin mir aber bewusst, dass mit jedem Verzicht ein Stück Plastik weniger in unserer Umwelt landet.

Wie hast du den plastikfreien Juli begonnen?
Als ich nach dem Besuch beim Recyclingcenter meine Recyclingtonne auf die Straße stellte, fragte ich mich „Wie kam es nur dazu, dass ich all diese Dinge habe? Ich weiß, wo sie hingehen.“ So kam ich zu dem Schluss, dass es das Beste wäre, nichts mehr in diese Tonne zu werfen. Ich bin halb spanisch und daher ziemlich impulsiv. Am nächsten Tag bei der Arbeit gab ich bekannt: „Ich werde nächsten Monat plastikfrei leben. Wer macht mit?“

Wie ist die Bewegung gewachsen?
Gleich im ersten Jahr, 2011, schlossen sich 40 meiner Freunde und Kollegen der Bewegung an. Seither ist sie durch Mundpropaganda mit einer unglaublichen Dynamik gewachsen. Letztes Jahr nahmen 120 Millionen Menschen aus über 170 Ländern teil. Das zeigt meiner Ansicht nach, dass über dieses Thema viel Besorgnis herrscht. Der plastikfreie Juli gibt den Menschen etwas Praktisches und Positives, das sie tun können, um einen Unterschied zu bewirken. Wir suchen nicht die paar wenigen Leute, deren Müll in ein Konservenglas passt. Es geht darum, Tausend oder Hunderttausend Menschen zu finden, eine Million Menschen, die ihren Müll einfach nur um fünf oder zehn Prozent reduzieren und mit kleinen Schritten beginnen.

Erzähle uns etwas über die Dilemma-Tasche und wie ihr sie benutzt habt, um euch im ersten Jahr gegenseitig zu unterstützen.
Die Idee mit der Dilemma-Tasche kam zu Beginn des plastikfreien Julis auf. Es war eine Möglichkeit, die Kampagne zu verfolgen und zu beobachten, welche Auswirkungen sie hatte. Wir sammelten darin alles Einwegplastik, das wir nicht vermeiden konnten, und trafen uns als Gruppe jede Woche, um uns darüber auszutauschen. Es war eine ausgezeichnete Gelegenheit, über Lösungen zu diskutieren, zumal wir nicht alle Antworten hatten. Als ich anfing, fand ich in der Tat alles sehr viel schwieriger als ich ursprünglich gedacht hatte.

Wie geht es mit Einwegplastik weiter und auf welche Verständnisebene müssen wir kommen, jetzt, da wir uns alle über Einwegplastik bewusst sind?
Das ist eine gute Frage. Wir sind uns alle über die Tüten, Wasserflaschen, Becher und Strohhalme bewusst und ich habe den Eindruck, dass sich in diesem Bereich wirklich etwas tut. Als Nächstes geht es um Verpackungen und das Erfordernis, diese Materialien in einer Kreislaufwirtschaft zu halten. Dabei sollten wir dem europäischen Beispiel folgen und auf den vorgeschriebenen Mindest-Recyclinganteil bei Verpackungen achten. Weil es für Unternehmen einfacher und billiger ist, fabrikneue Kunststoffe anstatt recycelter Inhalte zu verwenden, müssen wir für Wettbewerbsgleichheit sorgen. Gleichzeitig müssen wir alle anderen Verwendungsarten von Plastik beleuchten, jene die sich in unsere Umwelt einschleichen, wie etwa die Kunststoffe in unserer Kleidung, oder das Plastik in unseren Teebeuteln. Wichtig ist, dass wir uns auch mit dem Plastik, das in unsere Umwelt und in unsere Körper gelangt, auseinandersetzen.

Was sind deine besten plastikfreien Alternativen?
Ich habe einige Favoriten: wiederverwendbare Obst- und Gemüsebeutel, Seifen – wechsle von Flüssigseife zu Festseife, entscheide dich bei Kleidung für Naturfasern.

Was ist deine Vision von jetzt an?
Die Vision der Plastic Free Foundation ist eine Welt ohne Plastikmüll. Meine Vision ist deshalb, diese Botschaft einem breiteren Publikum zu übermitteln – nicht nur jenen, die bereits umweltbewusst und überzeugt sind – ich möchte sie an die Menschen auf der Straße, an die breite Masse richten. Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht fälschlich in der Sicherheit wiegen, das Problem bereits gelöst zu haben, indem wir Bilder von Plastikmüll im Meer teilen und mit einem Verbot von Plastiktüten reagieren. Es ist nicht damit getan, dass wir Einwegplastik durch irgendein anderes Einwegmaterial ersetzen. Vielmehr müssen die Lösungen dem Problem auch tatsächlich gerecht werden.

„Ich bin davon überzeugt, dass wir durch Recycling das Problem nicht loswerden. Wir müssen den Einsatz dieser Materialien grundsätzlich und radikal ändern.“

Wiederverwendbare Obst- und Gemüsebeutel aus recycelten Plastikflaschen.

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Durch den Kauf von unverpacktem Obst und Gemüse reduzierst du deinen Plastikmüll.

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Rebecca inspiriert durch Veranstaltungen und Vorträge zu Veränderungen auf der ganzen Welt.

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Plastikfreie Ideen für das Badezimmer wie Bambus, Holz, Papierverpackungen und wiederauffüllbare Produkte.

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